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Notiz · Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Ein Adressbuch mit Gedächtnis

Warum ich ein Freundebuch für Erwachsene gebaut habe – und was es bewusst nicht ist.

FreundebuchFOSSTypeScript
Die Freundesliste in Freundebuch: eine Tabelle mit Name, Freundeskreisen, E-Mail und Telefon, darüber eine Suche und ein Filter
Die Freundesliste mit den Demodaten

Was ist es?

Hier in Deutschland gibt es im Kindergarten oder in der Grundschule die Tradition eines Freundebuchs, in das andere Kinder reinschreiben und Details wie Telefon, Adresse oder auch Vorlieben hinterlassen. Im Erwachsenenalter wird das nicht mehr gemacht. Deshalb habe ich ein Stück Software gebaut, das mir hilft, das Freundebuch selber zu pflegen und die Freundschaften, die ich habe, aufrechtzuerhalten. Ich bin nämlich super schlecht darin, mir Geburtstage, Adressen oder auch Telefonnummern zu merken. Ich kenne zwar noch die Festnetznummern meiner Eltern aus der Kindheit (die es schon lange nicht mehr gibt), aber da hört es auch schon auf.

Die Seite von Anna Müller mit Beschäftigungshistorie, Interessen, Kennenlernen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Adresse, Webseite, sozialem Profil, Geburtstag und Freundeskreis
Die Seite eines Freundes mit allen Details

Warum das Ganze?

Ich habe relativ lange Monica benutzt, eine Software, die im Prinzip dasselbe macht. Mit der Zeit wurde mir das Tempo zu langsam, mit dem dort neue Features kamen und Bugs behoben wurden. Es gibt zwar einen Rewrite, aber der konzentriert sich eher auf Journaling als auf Kontakte. Endgültig gereicht hat mir dann ein Bug in der CardDAV-Schnittstelle: Bei jedem Sync haben sich die Kontakte auf meinem iPhone verdoppelt.

Also habe ich mir Claude Code geschnappt, einen KI-Assistenten zum Programmieren. Zuerst habe ich User Stories geschrieben, dann noch mehr User Stories, und erst danach habe ich angefangen zu bauen. Seit etwas mehr als einem Jahr arbeite ich jetzt daran und bin sehr zufrieden. Inzwischen benutze ich Freundebuch täglich, und wenn ich einen Fehler finde, behebe ich ihn meistens sehr schnell.

Was ist es nicht?

Freundebuch ist bewusst kein CRM. Ich verwalte keine Kunden, keine Interessenten, keine Angebote und keine Rechnungen. Es geht um Freunde und um die Begegnungen mit ihnen. Deshalb heißt es in Freundebuch auch „Freund“ und nicht „Kontakt“, denn „Kontakt“ klingt nach Vertrieb.

Freundebuch ist auch kein soziales Netzwerk und kein Messenger. Ich poste dort nichts, und ich chatte dort mit niemandem. Es ersetzt auch nicht das echte Gespräch: Freundebuch erinnert mich an den Geburtstag, aber anrufen muss ich immer noch selber.

Und Freundebuch ist keine Software, die alles kann. Eine Funktion kommt nur dazu, wenn sie mir hilft, mit meinen Freunden verbunden zu bleiben. Meine Daten bleiben dabei bei mir: Freundebuch lässt sich selber hosten und setzt auf offene Standards wie CardDAV oder MCP. Ob ich meine Daten mit einem Sprachmodell teile, entscheide ich selbst. Freundebuch ist auch keine Software von der Stange: Ich entwickle es selber, und darum funktioniert es genau so, wie ich es brauche.

Was kann es?

Das Herz von Freundebuch ist die Seite eines Freundes. Dort steht alles, was ich über einen Menschen wissen will: Name und Anrede, wo wir uns kennengelernt haben, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Profile in sozialen Netzwerken. Dazu kommen wichtige Daten wie der Geburtstag und die beruflichen Stationen.

Kaum ein Freund steht für sich allein. Er gehört zu einer Familie, ist in einem Verein oder arbeitet in einer Firma. Für solche Gruppen gibt es in Freundebuch die Kollektive. Ein Kollektiv sammelt seine Mitglieder und hat eigene Daten, zum Beispiel die gemeinsame Adresse einer Familie. Lockerer sind die Kreise: Mit ihnen halte ich fest, zu welchem Freundeskreis jemand gehört.

Ein Adressbuch mit Gedächtnis weiß aber nicht nur, wer jemand ist, sondern auch, was wir zusammen erlebt haben. Nach einem Treffen lege ich deshalb eine Begegnung an: wer dabei war, wann und wo wir uns gesehen haben, und ein paar Sätze dazu. Beim nächsten Treffen weiß ich dann noch, worüber wir zuletzt gesprochen haben.

Diese Daten bleiben nicht im Freundebuch eingesperrt. Über CardDAV landen meine Freunde im Adressbuch meines iPhones. Jeden Tag erinnert mich Freundebuch in Element, Discord oder Telegram an Geburtstage und andere wichtige Daten. Und über einen MCP-Server kann auch ein Sprachmodell mit dem Freundebuch arbeiten: Es legt neue Begegnungen an oder liest nach, was es über einen Freund wissen muss, um gut zu antworten.

Bleibt noch die Bedienung, und die geht komplett ohne Maus. Fast jede Aktion hat ein Tastenkürzel: e bearbeitet, g f springt zur Freundesliste („go to friends“), und ? zeigt alle Kürzel an. Wenn du doch zur Maus greifst, zeigt dir Freundebuch, welches Kürzel es auch getan hätte.

Probier es aus

Schau dir die Demo-Seite an, oder hoste Freundebuch selber. Die Anleitung zum Self-Hosting erklärt alle Schritte. Freundebuch braucht relativ wenige Ressourcen und lässt sich mit Docker Compose sehr unkompliziert betreiben.

Wenn du Fragen hast, komm gerne in meinem Matrix-Kanal vorbei.

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