Ziel dieses Artikel ist es, zu zeigen wie mein OpenVPN-Setup funktioniert, wie ich meine Clients konfiguriere und was das für Vorteile bringt.
Fangen wir mal mit dem ‘Warum’ an. Mein initiales Anliegen war in das virtuelle Netzwerk meines libvirt/KVM-Hostes einzusteigen, damit ich die virtuellen Maschinen besser verwalten kann. Ich habe zuerst an IPSec versucht, bin da aber an der harschen Internet-Realität gescheitert. So hat mein Internet-Anbieter Kabel Deutschland fragmentierte UDP-Pakete klammheimlich verworfen. Hat mit mich einige Zeit gekostet, das rauszufinden. Aber dank Netalyzr findet man solche Sachen dann doch relativ schnell. An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für Netalyzr brechen. Wenn ihr in ein neues Netz kommt, führt den Test einmal aus, um euch der Limitationen des Netzes bewusst zu werden. Dann habe ich mich an OpenVPN versucht und alles funktionierte ohne mit der Wimper zu zucken.
Bevor ich jetzt zu der Konfiguration komme, noch ein paar Takte zu meiner Infrastruktur.
Infrastruktur
Ich habe einen
Server bei
Hetzner gemietet, auf dem ich mehrere virtuelle Maschinen mit
unterschiedichen Diensten betreibr. Da ich nur eine IPv4-Addresse
habe und aus Kostengründen nichts ändern will, habe ich ein privates
LAN mit NAT für die ganzen virtuellen Rechner eingerichtet. Das
IPv4-Lan hat den Prefix 192.168.122.0/24, dieser Prefix sollte
natürlich auch über das VPN erreichbar sein. Daneben habe ich von
Hetzner einen nativen IPv6 Zugang erhalten und habe den Prefix
2a01:4f8:200:2265::/64. Was ich im Verlauf des Einrichtens gelernt habe
ist: Wenn man verschiedene Unterinfrastrukturen hat, sollte man diese auch
mit eigenen Prefixen beglücken. So habe ich den /64 in mehrere
/112-Netze aufgeteilt. Die virtuellen Server haben den Prefix
2a01:4f8:200:2265:3::/112 und das VPN-Netz hat
2a01:4f8:200:2265:4::/112. Was ich in diesem Kontext auch gelernt
habe, das 2000::/3 der komplette öffentlich routbare Teil von IPv6
ist. Zum Schluss sei noch gesagt, dass ich einen
LDAP-Verzeichnis
betreibe, in welchem ich Benutzer verwalte. Das sollte auch an das OpenVPN
angebunden werden. Soviel zur Infrastruktur, jetzt zur Konfiguration:
Server Konfiguration
Meine Server Konfiguration sieht so aus:
# Crypto konfigurieren
ca /etc/ipsec.d/cacerts/cacert.pem
cert /etc/ipsec.d/certs/node2.datenknoten.me.pem
key /etc/ipsec.d/private/node2.datenknoten.me.pem
dh /etc/ipsec.d/dh4096.pem
# Netzwerk aufsetzen
server 10.8.0.0 255.255.255.0
server-ipv6 2a01:4f8:200:2265:4::1/112
push "route 192.168.122.0 255.255.255.0"
push "redirect-gateway def1 bypass-dhcp"
push "route-ipv6 2000::/3"
push "dhcp-option DNS 192.168.122.9"
# Einstellungen
keepalive 10 120
comp-lzo
persist-key
persist-tun
verb 3
cipher AES-256-CBC
port 1194
proto tcp
dev tun
# LDAP aktivieren
plugin /usr/lib/openvpn/openvpn-auth-ldap.so /etc/openvpn/auth-ldap.conf
Die LDAP-Konfiguration sieht so aus:
<LDAP>
URL ldaps://ldap.datenknoten.me
BindDN cn=systemuser,ou=users,dc=datenknoten,dc=me
Password tolles passwort
Timeout 15
TLSEnable no
FollowReferrals yes
</LDAP>
<Authorization>
BaseDN "ou=users,dc=datenknoten,dc=me"
SearchFilter "(uid=%u)"
RequireGroup false
<Group>
BaseDN "ou=groups,dc=datenknoten,dc=me"
SearchFilter "cn=vpnusers"
MemberAttribute memberUid
</Group>
</Authorization>
Hier ist anzufügen, dass die Limitierung auf die Gruppe vpnusers
irgendwie nie geklappt hat. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr
dankbar.
Als nächstes muss auf dem Server noch die Firewall eingerichtet werden. Ich benutze das Programm „Ferm”, um meine IPTables-Regeln zu verwalten. Entsprechend sieht mein Script so aus:
# -*- shell-script -*-
#
# Configuration file for ferm(1).
#
@def $DEV_WORLD = eth0;
@def $DEV_DMZ = virbr1;
@def $HOST_STATIC = 144.76.154.114;
@def $DEV_PRIVATE = virbr1;
@def $NET_PRIVATE = 192.168.122.0/24;
@def $DEV_VPN = tun0;
@def $NET_VPN = 10.8.0.0/24;
# convenience function which creates both the nat/DNAT and the filter/FORWARD
# rule
@def &FORWARD_TCP($proto, $port, $dest) = {
# interface (lo $DEV_WORLD $DEV_VPN $DEV_PRIVATE)
table filter chain FORWARD outerface $DEV_DMZ daddr $dest proto $proto dport $port ACCEPT;
table nat chain PREROUTING daddr $HOST_STATIC proto $proto dport $port DNAT to $dest;
}
table filter {
chain INPUT {
policy ACCEPT;
mod state state INVALID DROP;
mod state state (ESTABLISHED RELATED) ACCEPT;
interface $DEV_DMZ proto (tcp udp) dport (53 67) ACCEPT;
}
chain OUTPUT {
policy ACCEPT;
}
chain FORWARD {
policy ACCEPT;
mod state state INVALID DROP;
mod state state (ESTABLISHED RELATED) ACCEPT;
interface $DEV_PRIVATE ACCEPT;
interface $DEV_VPN mod conntrack ctstate NEW ACCEPT;
mod conntrack ctstate (ESTABLISHED RELATED) ACCEPT;
}
}
table nat {
chain POSTROUTING {
# masquerade private IP addresses
saddr ($NET_PRIVATE $NET_VPN) outerface $DEV_WORLD MASQUERADE;
}
}
domain ip6 {
table filter {
chain INPUT {
policy ACCEPT;
}
chain OUTPUT {
policy ACCEPT;
}
chain FORWARD {
policy ACCEPT;
interface ($DEV_WORLD $DEV_VPN) outerface $DEV_DMZ daddr 2a01:4f8:200:2265::/64 ACCEPT;
outerface ($DEV_WORLD $DEV_VPN) interface $DEV_DMZ saddr 2a01:4f8:200:2265::/64 ACCEPT;
interface $DEV_DMZ outerface $DEV_DMZ ACCEPT;
interface ($DEV_WORLD $DEV_VPN) outerface $DEV_DMZ REJECT reject-with icmp6-port-unreachable;
outerface ($DEV_WORLD $DEV_VPN) interface $DEV_DMZ REJECT reject-with icmp6-port-unreachable;
}
}
}
&FORWARD_TCP(tcp, (80 443), 192.168.122.2);
Es empfiehlt sich natürlich, sich etwas mit der Materie auseinanderzusetzen, damit man versteht, was ich hier schreibe. Vieles, was in diesen Konfigurations-Dateien steht, hat sich über die Jahre so entwickelt.
Client Konfiguration (Linux)
Unter Linux ist bis auf einen Punkt eigentlich alles sehr entspannt. Das Problem ist, dass der DNS-Server, den ich bereitstelle, nicht übernommen wird. Dafür gibt es eine Lösung und jetzt erstmal die Config:
client
dev tun
proto tcp
remote 144.76.154.114
resolv-retry infinite
nobind
persist-key
persist-tun
ca dk-ca.crt
cert manjaro.crt
key manjaro.key
verb 3
cipher AES-256-CBC
auth SHA1
reneg-sec 0
route-delay 4
comp-lzo no
auth-user-pass
script-security 2
up /home/hana/openvpn/datenknoten/update-dns
down /home/hana/openvpn/datenknoten/update-dns
2 Anmerkungen: Zum einen sei hier der Eintrag auth-user-pass
hervorzuheben, der den Client auffordert sich Zugangsdaten vom
Benutzer zu erfragen. Zum anderen die letzten 3 Zeilen. Diese sorgen
nämlich mittels einem kleinen Skript, welches
openresolv
aufruft, dafür, dass die mitgelieferten DNS-Server in die Datei /etc/resolv.conf
eingetragen werden. Hier das Skript:
#!/bin/bash
#
# Parses DHCP options from openvpn to update resolv.conf
# To use set as 'up' and 'down' script in your openvpn *.conf:
# up /etc/openvpn/update-resolv-conf
# down /etc/openvpn/update-resolv-conf
#
# Used snippets of resolvconf script by Thomas Hood <jdthood@yahoo.co.uk>
# and Chris Hanson
# Licensed under the GNU GPL. See /usr/share/common-licenses/GPL.
# 07/2013 colin@daedrum.net Fixed intet name
# 05/2006 chlauber@bnc.ch
#
# Example envs set from openvpn:
# foreign_option_1='dhcp-option DNS 193.43.27.132'
# foreign_option_2='dhcp-option DNS 193.43.27.133'
# foreign_option_3='dhcp-option DOMAIN be.bnc.ch'
# foreign_option_4='dhcp-option DOMAIN-SEARCH bnc.local'
## You might need to set the path manually here, i.e.
RESOLVCONF=/sbin/resolvconf
case $script_type in
up)
for optionname in ${!foreign_option_*} ; do
option="${!optionname}"
echo $option
part1=$(echo "$option" | cut -d " " -f 1)
if [ "$part1" == "dhcp-option" ] ; then
part2=$(echo "$option" | cut -d " " -f 2)
part3=$(echo "$option" | cut -d " " -f 3)
if [ "$part2" == "DNS" ] ; then
IF_DNS_NAMESERVERS="$IF_DNS_NAMESERVERS $part3"
fi
if [[ "$part2" == "DOMAIN" || "$part2" == "DOMAIN-SEARCH" ]] ; then
IF_DNS_SEARCH="$IF_DNS_SEARCH $part3"
fi
fi
done
R=""
if [ "$IF_DNS_SEARCH" ]; then
R="search "
for DS in $IF_DNS_SEARCH ; do
R="${R} $DS"
done
R="${R}
"
fi
for NS in $IF_DNS_NAMESERVERS ; do
R="${R}nameserver $NS
"
done
#echo -n "$R" | $RESOLVCONF -p -a "${dev}"
echo -n "$R" | $RESOLVCONF -a "${dev}.inet"
;;
down)
$RESOLVCONF -d "${dev}.inet"
;;
esac
Client Konfiguration (Android)
Unter Android benutze ich OpenVPN for android, welches es auch im F-Droid Store gibt.
Das Einrichten ist einfach und es gibt nichts zu beachten. Als ich das VPN eingerichtet habe, habe ich einen Bug in dem von mir benutzen XMPP-Client Conversations gefunden, weil dieser, bzw. die darunterliegende DNS-Bibliothek die DNS-Server nicht richtig bestimmen konnte (Ist inzwischen behoben).
Fazit
Insgesamt bin ich mit dem Setup sehr zufrieden, vorallem weil es kaputte Netze brauchbar macht, da ich durch das VPN ein zensurfreies Netz, IPv6, einen DNSSEC fähigen Resolver bekomme. Bei Fragen könnt ihr mich entweder per E-Mail, im Chat des Krautspaces kontaktieren oder hinterlasst einen Kommentar am Ende.